| LuXemburg Spezial zu Neuer Klassenpolitik

Oktober 2017

Die Klassenfrage steht im Zentrum eines links-marxistischen Projekts. ›Klasse‹ spielte aber zuletzt weder in linke Strategiedebatte noch in politische Praxis eine große Rolle. Das hat viele Gründe: Die Sozialdemokratie hat die Klassenfrage seit den 1970er Jahren zu Gunsten von Modellen aufgegeben, in denen eine Vielfalt sozialer Schichten angenommen wird; neue soziale Bewegungen haben sich in Abgrenzung eines auf männliche Industriearbeit verkürzten Klassenverständnisses Fragen von Lebensweisen, Geschlechterverhältnissen, postkolonialem Erbe und der Ökologie zugewandt; und das »Ende des Sozialismus« tat sein Übriges. Gleichzeitig verschärfen sich in westlichen Industrieländern die sozialen Gegensätze – Folgen eines in die Krise geratenen finanzialisierten Kapitalismus und sinkender Profitraten, die durch Flexibilisierung, Druck auf die Löhne und eine Zerstörung öffentlicher Infrastrukturen auf dem Rücken der Vielen »kompensiert« werden.

Letztlich waren es die Erfolge der Rechten – vom BREXIT über Front National und AfD bis hin zur Wahl Donald Trumps in den USA, die auf verquere Art die Klassenfrage zurück auf die Tagesordnung geholt haben:
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| »Weltklasse« – LuXemburg Online-Sonderausgabe 2017

August 2017

Lieber Leserin, lieber Leser,

wir freuen uns, eine neue LuXemburg vorstellen zu können. Anders als sonst erscheint diese Sonderausgabe nicht als Heft, sondern ausschließlich online. Im Dezember wird es dann wieder ein gedrucktes (Doppel-)Heft geben.

Die Umordnung der Welt war schon im Gange, beschleunigt durch die große Krise seit 2008. Jetzt wird das Weltsystem in Veränderung noch einmal erschüttert durch einen US-Präsidenten, dessen Handeln nur schwer kalkulierbar ist. Er bewegt sich zwischen Fortführung der bisherigen Linie, erratischen Muskelspielen, Protektionismus und selektivem Interventionismus. Sein Autoritarismus ist verbunden mit einer Bewegung der Annäherung und Konkurrenz der »starken Männer«, von Wladimir Putin, über Xi Jinping und Narendra Modi, bis Recep Tayyip Erdoğan. Welche kommenden Weltordnungskonflikte können daraus erwachsen?
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Neue Klassenpolitik »

| Die Zumutungen der Klasse. Vielfältige Identitäten und sozialistische Klassenpolitik

Von Alex Demirović

Der Erfolg autoritär-populistischer Politiker*innen und ihrer Kritik an Globalisierung, an Arbeitslosigkeit und Unsicherheit haben zu einer neuen Aufmerksamkeit für die Klassenfrage geführt. Bestärkt wurde das durch Diskussionen über das Buch »Rückkehr nach Reims« von Didier Eribon. In der Debatte wird der Eindruck erweckt, als habe die Linke in den vergangenen Jahren die soziale Frage aus den Augen verloren und sich nur noch für Anerkennungs- und »Identitätsfragen« engagiert, also für Fragen der geschlechtlichen und sexuellen Emanzipation oder der Bekämpfung von Rassismus und Nationalismus. Mit einer solchen Argumentation geht dann die Einschätzung einher, es handele sich um die Lebensweise eines globalisierten und großstädtischen, gut gebildeten Kleinbürgertums, das für neue Kommunikations- und kulturelle Alltagspraktiken offen sei,
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Europa links »

| Verzweifelter Appell der Bürgermeisterin von Barcelona

Von Ada Colau

Wir dokumentieren hier eine Stellungnahme von Ada Colau zum Referendum in Katalonien.

Die Regierung der PP beharrt auf ihrer große Lüge, sie leugnen weiter, was für die internationale Presse und für jeden, der die Bilder am 1. Oktober der polizeilichen Eingriffe in Katalonien gesehen hat, offensichtlich ist. Es gab Gewalt, Brutalität und Wut.

Seit langem zeichnet die spanische Rechte ein falsches Bild von dem, was in Katalonien passiert. Man spricht von Totalitarismus, von zerstörtem Zusammenleben, von einer verängstigten Bevölkerung durch gewalttätige »Separatisten«. Nicht einmal die Worte, die gebraucht werden, sind neutral. »Aufrührer«, »Separatisten«, sind keine beschreibenden Begriffe, sondern mit einer imaginären Perversion aufgeladen.
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Weltkrisenpolitik »

| Iran: Hält das Atomabkommen?

Von Ali Fathollah-Nejad

Während des US-Präsidentschaftswahlkampfs äußerte sich Donald Trump abschätzig über den Atomdeal mit Iran. Letzterer sei »der schlechteste Deal, der je ausgehandelt wurde«, den es zu „zerfetzen“ gelte (AlJazeera, 18.7.2017), so der damalige Kandidat der Republikaner. Er versprach, ihn als Präsident aufzulösen.

Unterdessen befand Irans Staatsoberhaupt Ayatollah Ali Khamenei lobende Worte für Trump, weil er einerseits die Wahrheit über die Verhältnisse in seinem Land ausspreche und weil er andererseits das wahre Gesicht der USA offenbare. Andere Offizielle, wie der Vizechef des Parlaments, Ali Mottahari, begrüßten Trumps Wahlsieg wegen seiner konzilianten Haltung gegenüber Syrien und Russland (Iran-Journal, 9.11.2016).
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